Summer Dreaming
Te amo Darling (9 - 11 )


Und plötzlich kommt alles anders als man denkt

 

Charlines Sicht:

Als ich meine Augen wieder öffnete, lag ich ohne es mir selber erklären zu können in meinem Bett.
Zögernd schaute ich auf die Uhr und erkannte, dass wir bereits 22 Uhr hatten. Anscheinend hatte ich nicht nur den ganzen Flug über, sondern auch den ganzen Tag geschlafen. Dabei hatte ich doch nur noch zwei Tage Zeit, also ging ich mit schnellen Schritten unter die Dusche und lief schließlich ins Wohnzimmer, in der Hoffnung meine Mutter dort zu finden. In der Tat, aber nicht nur meine Mutter sondern auch all die anderen saßen an einem Tisch und führten wohl ein interessantes Thema, denn obwohl ich mittlerweile schon das Zimmer betreten hatte, drehte sich keiner nach mir um.
Carlos sprach mit einer glücklichen Miene, während meine Mutter ein paar Ordner vor sich liegen hatte. Ramon lehnte sich zurück, schloss für einen kurzen Moment die Augen und fragte zu Frieden: „Also war das Projekt ein Erfolg? Und das heißt, dass die Energias de Portugal, das wichtigste Unternehmen Portugals, unsere Partnerfirma geworden ist?“
„Ja, das stimmt und sie wollen auch gleich, dass du nach deinem Studium anfängst dort zu arbeiten“, erklärte Carlos lachend.
„Das ist ja großartig. Ich freue mich so sehr für euch“, gestand Adriel mit einem breiten Grinsen, doch Carlos fügte sofort hinzu: „Adriel du wirst ebenfalls in Portugal arbeiten.“
„Ehrlich? Nein das kann ich nicht“, sagte er sein Kopf schüttelnd. Allerdings schnappte Carlos seine Hand und meinte fröhlich: „Natürlich kannst du das, solange du keine anderen Vorstellungen hast, wird das kein Problem sein.“
„Danke Carlos, aber ich glaube, dass es hier in Spanien mehr für mich zu machen gibt“, erwiderte dieser schüchtern und Carlos nickte nur einverstanden.
Dann erzählte meine Mutter zögernd: „Ich werde ebenfalls nach Portugal umziehen und dort sowohl als Sekretärin, auch als Dolmetscherin und Übersetzerin arbeiten.“
Noelle hielt begeistert die Hände meiner Mutter und gratulierte ihr stolz.
Wie schön es war, die wichtigsten Menschen in meinem Leben so fröhlich zu sehen. Selbst wenn ich nichts davon hatte, freute es mich sehr und ich teilte ihr Glück.
Meine Mutter und Carlos hatten schon seit so einer langen Zeit für dieses Projekt ihre Zeit geopfert und sich so viel Mühe gegeben gehabt und kurz vor meiner Abreise erfuhr ich, dass es ein voller Erfolg war. Kaum zu glauben, wie sich in diesen 3 Monaten alles geändert hatte.
Wie in einem wunderschönen Traum und genau deswegen hatte ich auch einerseits soviel Angst, diesen bezaubernden Ort zu verlassen und ganz alleine zurück nach England zu fliegen. Zurück zu meinem Vater, dem Chefarzt des berühmten Queen Elizabeth Hospitals. Kaum zu glauben, dass es wirklich sehr lange her war, dass ich meinen Vater nicht mehr gesehen hatte. Natürlich ab und zu gingen wir mal zusammen etwas Essen aber einen ganzen Tag hatte ich schon seit fast 7 Jahren nicht mehr mit ihm verbracht. Zum Glück telefonierten wir immer noch stundenlang und mindestens einmal pro Woche und deswegen bemerkte ich seine Abwesenheit oft gar nicht.
Plötzlich umarmte meine Mutter mich, sodass ich sofort aus meinen Gedanken gerissen wurde. Sie gab mir noch ein Kuss auf meinen Kopf und erzählte mir die Neuigkeiten. Mit einem müden Lächeln, gab ich ihr einen sanften Kuss auf ihre Wange und zeigte ihr meine Freude. Anschließend zog sie mich auf einen leeren Platz, Noelle ergriff das Wort und ich wartete gespannt darauf was sie zu sagen hatte. Sie legte ihre Hand auf Adriels Hand und gestand: „Adriel und ich wollen in eine Wohnungen ziehen und zusammen leben, bis wir mit unserem Studium fertig sind und dann werden wir vielleicht nach Portugal ziehen.“
Als ich dies hörte lächelte ich beiden kurz zu. Meine Mutter dagegen klatschte wie ein kleines Kind in ihre Hände und auch Carlos und Ramon konnte ich ihre Begeisterung ansehen.
Dann schaute meine Mutter aufgeregt zu mir und fragte neugierig:
„Und wie wars bei euch?“
Während ich nicht wusste was ich meiner Mutter antworten sollte, stand Ramon auf, stellte sich hinter mich, legte seine Arme um meine Schulter und antwortete stolz: „Charline hat endlich meine Liebe erwidert.“
„Das ist ja eine tolle Nachricht“, meinte Carlos uns aufrichtig anschauend.
Auch meine Mutter lächelte und flüsterte mir ins Ohr: „Später musst du mir aber alles erzählen.“ Leicht rot werdend nickte ich und lief anschließend in die Küche, da ich noch nichts richtiges im Magen hatte.
Ramon leistete mir Gesellschaft und zusammen kochten wir Spaghetti und Käsesoße. Es machte so viel Spaß und ich muss zugeben, am Ende sah die Küche wirklich sehr schrecklich aus, da über all die Soße verschmiert war.
„Und schmeckst es Darling?“, fragte ich ihn vorsichtig, als ich ihm meine Gabel in den Mund steckte. Er schloss seine Augen, kaute genüsslich und nickte schließlich doch: „Sehr sogar mein Engel.“
Nach dem wir fertig gegessen hatten, lief ich raus in den Garten, legte mich auf ein Liegestuhl und schaute traurig hoch zu den Sternen. Es tat fürchterlich weh zu wissen, dass ich bald von Ramon gehen würde. Das ich ihn nicht mehr bei mir haben würde, dass ich ihn zurück lassen würde.
„An was denkst du?“, fragte meine Mutter sich Sorgen machend. Ich erschrak kurz, weil ich ihr Erscheinen davor gar nicht bemerkt hatte, aber antwortete ihr dann mit Tränen gefüllten Augen: „Ich werde bald gehen und ihn hier alleine lassen...“
„Wirst du es ihm nicht sagen?“
„Nein, weil er mich dann nicht gehen lassen wird.“
„Das wird ihm aber sehr weh tun...“
„Mama ich weiß es, aber es tut doch sowieso schon weh, dann will ich wenigstens den letzten Tag mit ihm glücklich verbringen.“
„Mein Schatz, es tut mir so Leid dich so zu sehen.“ gestand meine Mutter mitgenommen und nahm mich fest in ihre Arme. Sie wusch mir meine Tränen weg, legte ihren Kopf leicht auf mein Schulter und erzählte:
„Ramon und du ihr seid so ein tolles Paar und ich bin wirklich sehr glücklich darüber, dass meine Prinzessin am Ende ihren wahren Prinzen gefunden hat.“ Kurz atmete ich ein und aus, dann erzählte ich ihr was alles passiert war und auch das ich mit ihm geschlafen hatte. Sie war wirklich sehr überrascht, aber sie schien erleichtert zu sein, weil er der Erste und der Letzte war und meine Mutter ihm vertraute.
„Weißt du warum ich so sehr wollte das du dich mit Ramon gut verstehst?“ „Warum?“
„Weil ich gleich von Anfang an gespürt hatte, dass er der Richtige ist. Auch wenn er sich erst mit dir verändert hat...“, dann unterbrach sie sich selber, schaute kurz hoch zu den Sternen und verriet: „Dein Vater war auch so. Er hat mir auch seine Welt vor Füßen gelegt, mir gezeigt das ich seine Traumfrau bin. Dieses Gefühl gegeben, was noch nie ein Mann mir gegeben hat. Das Beste was mir je passiert ist, war er. Denn dank ihm habe ich auch so eine wunderbare Tochter wie dich bekommen. Es ist zwar vorbei mit ihm, aber glaub mir irgendwo ganz tief in meinem Herzen wird immer sein Platz sein. Genau so wie ich wohl bei ihm, es ist schwer zu erklären, aber die erste Liebe bleibt unvergesslich.“
Meine Mutter diese Worte sagen zu hören, tat so echt weh. Warum musste irgendwann alles enden? Weswegen konnte man nicht einfach mit der Person die man so sehr liebt glücklich sein?
Mir war klar, dass sie meinen Vater niemals vergessen konnte, aber das sie ihn trotz allem so sehr bewunderte, war schon überraschend.
Dann nickte sie mir nur zu, gab mir ein Kuss auf meinen Kopf und ging.
Es tat gut alleine zu sein. Einfach nur hoch zu den Sternen zu schauen und diese Kälte zu spüren. Doch schon wieder tat mein Herz fürchterlich weh und ich fing an zu weinen. Dieser Stich in meinem Herzen...
Nach geschätzter halbe Stunde hörte ich die so geliebte Stimme bitten:
„Charline, komm lass uns rein gehen...“
Aber ich war zu schwach, um auf zu stehen, also trug er mich einfach auf mein Bett und legte sich zur mir. Ramon schloss mich so fest er konnte in seine Arme, und versprach mir: „Engel ich werde auf dich aufpassen, egal was kommt.“
Am frühen Morgen gingen Ramon und ich in der Stadt frühstücken und auch den Rest des Tages verbrachten wir allein. Bis Adriel und Noelle gegen Abend zu uns kamen und wir zusammen zur einer Shishabar fuhren.
Der letzte Tag war wirklich unglaublich schön.
Als wir zurück in die Villa fuhren, zog Ramon mich an meiner Hand hoch zur seinem Zimmer. Er nahm eine Kette aus einer Schatulle, stellte sich hinter mich und machte es um meinen Hals. Es war ein goldener Engel, so unschuldig und rein.
„Hoffentlich gefällt es dir“, sagte er anschließend und setzte mir ein Kuss auf meinen Hals.

„Und wie“, verriet ich leise und errötete leicht.
Dann legten wir uns zusammen auf seinen Bett und langsam fingen wieder unsere Zungen an miteinander zu spielen. Seine Hände glitten unter mein Oberteil und ich zog ihm sein T-Shirt aus. Mit immer schneller werdenden Berührungen, lagen wir schon nach knapp 10 Minuten nur noch in Unterwäsche neben einander und kurz danach passierte es auch schon, wir schliefen wieder mit einander. Diese Erregung und gleichzeitig Romantik, war etwas sehr magisches. Denn es fühlte sich mit jeder Berührung so an, als wenn ich schweben würde. Danach lagen wir aneinander kuschelnd unter der Decke, bis er einschlief. Zögernd legte ich die Decke zur Seite, stand auf, nahm mir die Kette ab, legte sie neben ihm auf den Nachttisch, zog mich wieder an und lief runter in mein Zimmer.
Nachdem ich mein Koffer gepackt hatte, verabschiedete ich mich von Noelle und meiner Mutter und circa zehn Minuten später holte mich ein Taxi ab, sodass ich noch pünktlich am Flughafen stand, meine Koffer abgab und mit Tränen gefüllten Augen, ins Flugzeug stieg.
Die Trennung hatte sich unsere schönste Zeit ausgesucht.



Ramons Sicht:


Als ich gegen Morgen meine Augen öffnete, fühlte sich mein Herz unbeschreiblich leer an und vor allem als ich neben mir die Kette sah, bekam ich Panik. Also zog ich mich so schnell ich konnte an, rannte runter ins Esssaal und als ich Charline dort nicht fand, schrie ich vor Wut außer mich: „Wo ist Charline?“ Allerdings bekam ich keine Antwort, also nahm ich mein Handy raus, versuchte sie zu erreichen, aber ihr Handy war aus. Somit schrie ich erneut: „Verdammt nochmal, wo ist Charline?“, und schon wieder keine Antwort. Schnell lief ich in ihr Zimmer, öffnete ihren Schrank und als ich begriff das nichts mehr von ihr da war, verließen mich meine Kräfte und ich ließ mich auf den Boden fallen.
Meine Angst hatte sich so eben bestätigt. Mein Engel war weg und das ohne sich von mir verabschiedet zu haben. Hass machte sich in mir breit und ich fing ungewollt an zu fluchen. Ja ich fluchte, weil ich schon damit gerechnet hatte, dass ich sie verlieren würde, aber nicht so schnell. Noelle, Adriel und Amy kamen ins Zimmer, versuchten mich dazu zu bewegen auf zu stehen, aber ich wollte nicht.
Adriel schlug mir sogar ins Gesicht und schrie: „Ramon, lass dich nicht so hängen! Sie wird wieder kommen!“
Aber ich nahm trotzdem die Situation nicht wahr. In meinem Kopf drehte sich alles nur darum, dass Charline nicht mehr da war. Sie war weg und ich fühlte nur die scheiß Leere in meinem Herzen.
Eine Weile war Stille, bis ich leise fragte: „Wusstet ihr das sie gehen wird?“
und nahm nur ein Nicken von Amy und Noelle wahr.
„Warum habt ihr es mir nicht gesagt?“, war meine nächste Frage.
„Ramon sie wollte dich nicht traurig sehen. Sie wollte das ihr die letzten Tage noch glücklich zusammen verbringt“, antwortete Amy mich bemitleidend.
Langsam beruhigte ich mich, stand auf und fragte weiter: „Warum ist sie gegangen?“
„Ihrem Vater geht es nicht gut und er wollte sie bei sich haben“, erklärte Noelle vorsichtig.

„Ok...“, meinte ich nur leise, da ich wirklich keine Kraft mehr dazu hatte etwas zu sagen. Mein Kopf drehte sich, mir war kalt und ich hatte das Gefühl, als wäre die ganze Welt gegen mich. Es lief mir kalt den Rücken runter, als ich immer wieder mir selber eingestand, dass meine Prinzessin weg war.
Schwankend lief ich raus zum Auto, setzte mich ans Steuer, zündete mir eine Zigarre an und fuhr los. Egal wohin... Ich wollte einfach nur weg. Für mich alleine sein, denn ich brauchte jetzt einfach nur meine Ruhe...
Der Schock saß wirklich sehr tief, denn plötzlich bekam ich nicht mal mehr Luft. Sie war weg, einfach so und das schlimmste war, dass sie den Engel, den Beschützer unserer Liebe, hier gelassen hatte. Ich ahnte nichts gutes.
Warum tat sie mir so weh? Hätte sie etwas gesagt, wäre ich mit geflogen, ich hätte sie auf keinen Fall alleine gelassen. Ich konnte keinen einzigen klaren Gedanken mehr fassen, aber eins stand fest...


So früh wie möglich würde ich ihr nach fliegen!


Weil du, die Wahrheit nicht kennst

Charlines Sicht:

England, 3 Monate später. Hotel Queen Elizabeth, Raum 207.
Gleich nachdem ich mit einem weißen Bademantel das Badezimmer verließ, klingelte mein Handy und ich sah das auf dem Display der Name meines Vaters stand.
Mit einem verwirrten Gesichtsausdruck ging ich schließlich dran...
„Ja Dad?“
„Charline er ist gekommen...“, verriet mein Vater aufgeregt.
„Wer?“
„Ramon ist da...“
Kurz war Stille, denn ich konnte es einfach nicht glauben, dass er doch noch gekommen war.
Also fragte ich neugierig: „Woher weißt du das?“
„Er hat eben gerade das Hospital betreten und an dem Informationsschalter nach mir gefragt.“
„Ja, ich komme sofort“, sagte ich immer noch ungläubig und legte auf.
Nachdem ich aufgelegt hatte, stellte ich mich als erstes vor dem Spiegel, ging automatisch mit meiner Hand über mein Bauch und schloss für einige Sekunden meine Augen.
Er war da. Nach 3 ganzen Monaten, würde ich ihn endlich wieder sehen.
Zögernd zog ich mir eine Jeans und eine weiße Bluse an, band meine nassen Haare zu einem Zopf, nahm mir einen dicken Mantel und einen Regenschirm mit und verließ das Hotelzimmer. Wie er wohl reagieren würde, wenn er mich wieder sah? Ob er immer noch sauer war? Vielleicht würde sein Hass, sobald er mich wieder in seinen Armen hält, verschwinden? Bei diesem Gedanken zuckte ich leicht zusammen, denn er sollte mich nicht anfassen, mich nicht berühren. Ramon sollte nicht hier sein!
Als ich nach 10 Minuten das Hospital erreichte, begrüßte ich Linda die am Schalter saß und lief Richtung der Aufzüge. Immer hin musste ich bis zum 12. Stock fahren, um in das Kinder-/ Jugendpsychiatrie Station zu gelangen, wo mein Vater sich öfters befand.
Während ich gespannt darauf wartete meinen Ziel zu erreichen, ließ ich meine Augen zu und dachte an den Tag, als ich Ramon verließ. Von meiner Mutter hatte ich erfahren, dass er sehr enttäuscht und verletzt gewesen war und seit diesem Tag wieder angefangen hatte zu rauchen, sogar zu trinken und das obwohl Ramon selten trank. Es war wirklich so viel in diesen drei Monaten passiert, aber in diesem Moment wollte ich einfach nicht daran denken. Nichts würde wieder so sein wie es einmal war. Die schönen Zeiten waren vorbei. Adios Spanien der Ort meiner schönsten Träume und Erlebnisse...

5 Minuten später erreichte der Aufzug endlich den 12. Stock.
Mit langsamen Schritten lief ich an den einzelnen Räumen vorbei und sah auch schon meinen Vater aus einem der Räume raus kommen.
„Ramon wartet unten in meinem Zimmer auf mich“, erklärte er mir mitfühlend.
„Hast du schon mit ihm geredet?“
„Nein, aber ich hab eine Krankenschwester gebeten, ihm zu sagen das er schon mal Platz in meinem Zimmer nehmen soll.“
Mit einem Nicken, liefen mein Vater und ich wieder zu den Aufzügen und fuhren in den 7. Stockwerk, wo sich auch die Räume der Ärzte befanden.
Mein Vater hatte mir erklärt, dass die Räume in diesem Stock lagen, da es genau das Zentrum des Hospitals war.
„Wenn du willst, warte hier draußen auf mich“, erklärte mein Vater fürsorglich, denn an seiner Miene erkannte ich ganz genau, dass er diese Situation, genau so wie ich, als unangenehm empfand. Während er sein Zimmer betrat, saß ich mich draußen auf einen Stuhl und hielt mir ängstlich mein Bauch fest.
Nach etwa 20 Minuten kam Ramon mit einer ernsten Miene raus und als er mich sah spannten sich seine Nerven an. Langsam stand ich auf, stellte mich ihm gegenüber und fragte kalt: „Was suchst du hier?“
Er schüttelte seinen Kopf, fing an ironisch zu lachen und antwortete etwas an gereizt:
„Ich wollte dich sehen. Vielleicht hast du mich schon vergessen, aber ich bin dein Freund!“
„Warum kommst du ausgerechnet jetzt?“
„Charline, ich musste mein Studium beenden bevor ich kommen konnte.“
Wow. Nur damit er früher zu mir kommen konnte, hatte er sein Studium gekürzt?
Ja, er liebte mich, sehr sogar...
„Wieso hast du dein Studium gekürzt?“
Er nahm meine Hand sanft in seine Hand, schaute mir in die Augen und verriet: „Weil ich dich liebe und...“ Unverzüglich unterbrach ich ihn, schüttelte mein Kopf und erklärte:
„Ich glaube nicht daran, was du sagst. Es gibt keine Liebe...“
Schon wieder lachte er ironisch, zog mich hinter sich auf den Balkon, dass am Ende des Ganges stand, berührte leicht mit seinen Lippen meine und meinte selbstsicher: „Lüg nicht mein Schatz. Du weißt ganz genau, dass wir uns gegenseitig lieben und da machen diese 3 Monate auch nichts aus.“
„Es ist vorbei Ramon... Was denkst du warum ich mich nie bei dir gemeldet habe?“
Er hob zwar seine Schulter hoch, aber trotzdem gab er nicht auf, denn er antwortete nur:
„Du hast Zeit gebraucht, weil das alles in Spanien zu viel war. Aber ich habe dir versprochen auf dich auf zu passen.“
Ich befreite mich von ihm, ging ein Schritt nach hinten und erklärte wütend: „Ich bin kein Kind mehr Ramon. Sieh es ein! Während du dein Marketing Studium absolviert hast, habe ich mein Spanisch Studium abgebrochen, weil ich keine Bindung mehr zu dir haben will.“
Trotz das meine Wörter so glaubwürdig rüber kamen, glaubte er mir kein Wort, sondern schloss mich wieder in seine Arme ein und sagte: „Das ist nicht wichtig was du studierst, oder wie sehr du angeblich Spanien hasst, weil dein Herz einem Spanier gehört und das kannst du nicht abstreiten mein Engel.“
„Du fühlst dich unglaublich wichtig, nicht wahr?“, fragte ich nun zornig.
„Nein, ich sage dir nur die Wahrheit.“
„Woher willst du wissen, was ich in all den 3 Monaten erlebt habe?“
„Ich spüre, dass du mich genau so sehr vermisst hast wie ich dich.“
„Ramon bilde dir nichts ein!“, befahl ich während ich ihn von mir weg drückte und mich umdrehte. Doch gleich danach befanden sich seine Lippen an meinem Hals und ungewollt seine Hände auf meinem Bauch. Was für ein Stich ins Herz. Warum ließ er mich nicht einfach in Ruhe?

„Du hast mich so sehr enttäuscht und verletzt. Weißt du wie schmerzvoll diese Monate ohne dich waren?“, fragte er leise und bereitete mir dabei eine Gänsehaut.
Als er bemerkte, dass ich nicht vor hatte ihm zu antworten, gab er mir erneut ein Kuss auf die Lippen und befahl: „Pack dein Koffer, wir werden zurück nach Madrid fliegen und heiraten!“
Jetzt fing ich an gespielt zu lachen, schüttelte energisch meinen Kopf und konterte:
„Flieg alleine! Außerdem hat dich keiner darum gebeten zu kommen.“
Diese Antwort verletzte ihn wirklich, denn er ließ mich plötzlich los, nahm eine Zigarre raus und zündete sich diese an.
„Warum machst du es uns so schwer?“
„Weil ich dich nicht mehr liebe, wie oft denn noch?“, fragte ich letztendlich genervt.
„Hör auf zu lügen!“, schrie er während er mir mit einem tödlichen Blick in die Augen schaute. Jetzt war meine Zeit gekommen, entweder jetzt oder nie!
„Ramon, ich habe nur mit dir gespielt...“, meinte ich aufrichtig.
„Denk nicht, dass ich dir diese Scheiße abkaufe Charline!“, bestimmte er mit mittlerweile roten Augen. Diese grünen wunderschönen Augen, in denen ich mich selber spiegelte und die voller Liebe waren, waren nun rötlich geworden und zeigten mir, dass er kurz davor war die Nerven zu verlieren.
„Es ist die Wahrheit, ich habe nur mit dir gespielt. Sieh es ein Ramon du warst nie mein Typ. Von Anfang an habe ich dich gehasst, denkst du das ich mich dann einfach so in dich verlieben kann?“
Er lächelte leicht, legte seine Hand auf mein Herz und fragte ironisch: „Deswegen klopft dein Herz so schnell?“
- Charline lass dir etwas einfallen, er muss verschwinden -, als ob ich das nicht schon selber wissen würde...
„Du hast mit so vielen jungen Frauen gespielt, hast sie für deine perversen Zwecke benutzt, es war einfach mal an der Zeit, dass jemand dich ausnutzt.“
Jetzt fing es auch noch an in Strömen zu regnen. Trotzdem glaubte er mir kein Wort, denn schon wieder berührten sich unsere Lippen. Er legte sein Kopf auf meinen Schulter und bat traurig: „Bitte Darling, hör auf mit diesem Spiel.“
Nein, nein, nein. Er sollte mich hassen, mich vergessen und verschwinden!
Also nochmal: „Ramon verdammt, ich hasse dich und ich wollte dir nur zeigen, dass sich die Welt nicht um dich dreht. Ich musste zwar mich selber aufopfern, aber wenigstens habe ich so viele gerächt.“
Und erneut war Stille.

„Ganz egal was du sagst, ich werde für dich kämpfen!“, dann drückte er mich gegen das Geländer, sodass ich ein paar Tropfen Regen ab bekam und schaute mir intensiv in die Augen. Erst jetzt realisierte ich, dass er wirklich da war. Wie sehr ich ihn vermisst hatte und ihn brauchte.
Er war wie meine Luft zum Atmen. Ohne ihn war ich einfach nicht mehr ich. Diese Sehnsucht hatte mich schon fast verrückt gemacht. Jetzt wo er mir gegenüber stand, mir in die Augen schaute, fühlte ich das ich wieder angefangen hatte zu leben. Ja, nach 3 Monaten hatte ich erneut angefangen zu leben und meine schnellen Herzschläge wahr zu nehmen.
Lange Zeit schaute ich ihm tief in die Augen und erkannte, dass er noch vor seiner Anreise gekifft haben müsste, denn seine Pupillen waren erweitert und ich spürte eine starke Aggression. Zwar kontrollierte er diese, aber mir war klar, dass wenn ich ihn noch mehr provozieren würde, er wohl möglich die Kontrolle verlieren würde.
Außerdem hatte er abgenommen, er war zwar immer noch breit und gut gebaut, aber er war eben nicht mehr so wie damals. Seine blond braunen Haare, waren nun dunkel braun bis schwarz, was wohl an dem Wetter lag. Immerhin hatten wir inzwischen Januar. Auch hatte er seinen Augenbraue Piercing abgenommen.
„Lass nicht zu, dass wir ohne den anderen sein müssen“, bat er leise und erst jetzt bemerkte ich, dass sich auch seine so geliebte Stimme verändert hatte. Durch die vielen Zigaretten war seine Stimme nun rau und nicht mehr so lebendig. Verdammt, er hatte mir das wichtigste weg genommen. Die so geliebte Stimme. Automatisch landete meine Hand an seiner Wange und wenige Sekunden später, färbte sich seine Wange rot.
Er schaute mich schockiert an und fragte wütend: „Was ist dein Problem?“
„Wie konntest du die Stimme, die ich so sehr liebe opfern?“, fragte ich nun mit Tränen gefüllten Augen.
„Ich... ich... es tut mir Leid“, meinte er zögernd, als er den Grund der Ohrfeige verstand.
„Ramon, weißt du was, wenn du jetzt gehst wäre es wohl für uns beide besser!“, erklärte ich deprimiert und lief wieder rein in den Gang.
Er kam mir sofort nach und rief: „Ich glaube das du...“
„Das ich was?“, fragte ich ihn laut, während ich meine Tränen weg wusch.
„Ich glaube das du...“, und gerade als er seinen Satz zu Ende bringen wollte, ging die Zimmertür meines Vaters auf und eine männliche Stimme fragte mich: „Charline, was ist hier los?“, und widmete sich anschließend Ramon und fügte hin zu: „Ich kenne dich zwar nicht, aber bitte lass meine zukünftige Frau in Ruhe!“
In diesem Moment stoppte mein Herz. Meine Augen öffneten sich weit und ich spürte das Ramon nun mit seinen Nerven am Ende war.
In der Tat er lief auf den Mann zu, hielt ihn an den Kragen und schrie „Was denkst du, wer du bist? Charline ist meine Freundin! Hast du das Verstanden?“
Der Mann befreite sich von seinem festen Griff und erklärte: „Ich bin Matthew, ihr Verlobter.“
Mein Hals trocknete und es fiel mir schwer zu schlucken.
„Charline hat dieser Typ Recht?“, fragte nun Ramon mich schockiert.
Mit langsamen Schritten lief ich zur Matthew, hielt seine Hand fest und bejahte.
In dem nächsten Moment würde wirklich jeder Blinde erkennen, wie Ramon seine letzte Hoffnung verlor, denn sein Gesicht färbte sich vor Wut rot und mit einer schnellen Reaktion wollte er gerade Matthew einen Schlag verpassen, aber da ich mich vor ihn stellte, traf sein Schlag meinen Bauch. Es brannte fürchterlich und ich schrie so laut ich konnte: „AAAAAH Verschwinde endlich einfach! Siehst du nicht, dass ich mit dir nur Probleme habe? Ich liebe Matthew und aus diesem Grund habe ich mich nie bei dir gemeldet! Jetzt flieg zurück nach Madrid und vergiss mich!“
Als er die Situation begriff, hielt er mit seinen beiden Händen seinen Kopf fest, schaute auf den Boden und verließ den Gang.
Zum Glück war zur Zeit nur mein Vater in diesem Gang gewesen, denn ansonsten wäre es ein richtiger Skandal. Mein Bauch tat immer noch fürchterlich weh und langsam wurde mir sogar schwarz vor Augen. Deswegen trug mich Matthew hoch zum Frauenarzt...

Ungefähr 15 Minuten später, kam ich mit einem erleichterten Blick zurück, setzte mich neben ihn und verriet erleichtert: „Es ist Gott sei Dank nichts passiert.“
er gab mir einen Kuss auf meine Hand, lächelte zur Frieden und dann fragte er traurig: „Bist du dir sicher, dass du dieses Spiel durch ziehen willst?“
Nein ich war mir nicht sicher und hätte ich eine andere Wahl, so wäre ich nicht einmal mehr in England, sondern in Madrid bei ihm.
Aber wie das Schicksal es so wollte, würde ich nie wieder mit Ramon zusammen sein können, obwohl mein Herz für immer ihm gehörte...


Die Wahrheit, die du nicht kennst

Charlines Sicht:

Vor 3 Monaten. Als ich neu in England angekommen war, wartete bereits mein Vater vor dem Gate auf mich und schloss mich sofort in seine Arme ein. Es war ein komisches, doch gleichzeitig ein überwältigendes Gefühl, von ihm so herzlich begrüßt zu werden. Und von seinem Gesichtsausdruck her, erkannte ich, dass er durch die Herzoperation sehr viel Kraft verloren hatte und eigentlich jetzt im Bett liegen sollte. Allerdings war er persönlich gekommen, um mich abzuholen und das schätzte ich wirklich sehr an ihm. Trotzdem war ich extrem angereizt, weil ich nur wegen ihm, mein Leben in Madrid aufgeben musste. Er öffnete den Kofferraum seines BMW 6ers und stellte meinen Koffer ab, anschließend öffnete er meine Tür und schließlich seine eigene. Wir stiegen ein und er startete den Motor.
„Na Maus, wie war dein Flug?“, fragte er lächelnd. Bevor ich ihm antwortete, seufzte ich kurz auf und antwortete schlicht: „Sehr gut, danke.“
„Das freut mich, Schätzchen.“
„Hmm“, erwiderte ich kühl und sofort bemerkte er, dass es für ihn besser wäre, wenn er erst einmal schweigen würde.
Als wir vor einem modernen Haus anhielten erblickten meine Augen sofort die Villa und das Swimmingpool, das auf der Terrasse erbaut war. Sehr luxuriös. Nach dem mein Vater den Motor abgestellt hatte, kam auch schon seine Frau und begrüßte mich freundlich. Zur meinem Überraschen schien es sogar so, als wäre sie gar nicht gealtert. Immer noch dieses wunderschöne und junge Gesicht und das, obwohl ihr Sohn inzwischen schon 7 Jahre alt sein müsste. Ihr Sohn und mein Halbbruder. Bei diesem Gedanken lief es mir kalt den Rücken runter, denn wir trugen das selbe Blut und hatten den gleichen Vater, aber trotzdem wurde ich den Gedanken einfach nicht los, dass er der Grund war, weswegen sich meine Eltern scheiden lassen hatten.
„Charline, alles ok?“, hörte ich hinter mir meinen Vater verwirrt fragen.
- Nein nichts ist ok.. Während du dir hier ein neues Leben aufgebaut hast, haben Mama und ich 7 Jahre lang glitten und jetzt wo ich endlich glücklich bin, rufst du mich zu dir -, beschwerte ich mich innerlich, doch antwortete nur mit einem knappen: „Ja“, und zog mir meine Schuhe aus.
Mein Vater kam mir nach und trug für mich die Koffer in ein Zimmer, das sich rechts vom Flur befand. Dann öffnete er die Tür und ich trat in ein kleines, doch sehr gemütliches Zimmer ein. Die Wände waren hell blau und die Möbel waren beige. „Ich hoffe sehr, dass dir die Zeit hier gefallen wird.“, meinte er voller Hoffnung.
Aber anstatt mich zu bedanken, fragte ich ihn kränkend: „Geht es dir jetzt wenigstens, wo ich da bin, besser?“

„Charline bitte, ich brauche deine Unterstützung“, antwortete er und verließ das Zimmer. Sofort schmiss ich mich auf das bequeme Bett und fing an zu weinen. Auch wenn gerade mal nur ein paar Stunden vergangen waren, die ich in England verbracht hatte, vermisste ich meine Liebsten, vor allem Ramon, sehr. Sicherlich war er im Moment vor Wut außer sich.
Es zerbrach aber vor allem mir das Herz, ihn so allein gelassen zu haben und das jetzt, wo wir endlich angefangen hatten glücklich zu sein.
Um mich abzulenken, räumte ich meine Kleider in den Schrank ein und startete schließlich einen Rundgang, durch das ganze Haus. Insgesamt waren es zwei Stockwerke mit einem Vor- und Hintergarten. Alles sah so perfekt aus und ich hatte schon fast das Verlangen danach, in Tränen auszubrechen. Während Mama und ich so hart gekämpft hatten, um noch ein einigermaßen lebenswertes Leben zu führen, war mein Vater damit beschäftigt, sich ein neues Haus, 'schuldigung eine Villa erbauen zu lassen. Ja, das Leben war ungerecht. Mit Mühe konzentrierte ich mich wieder auf die Führung und lief schließlich sogar vor Neugierde in den Keller, obwohl ich eigentlich, mich vor der Finsternis fürchtete. Langsam und ganz vorsichtig, lief ich die Treppen runter, öffnete jede einzelne Tür und als ich das letzte Zimmer betrat, erstaunte ich nicht schlecht, über die so vielen Pokale, die in zwei breiten Regalen aufgestellt worden waren. Mein Vater war früher, bevor er Arzt wurde, ein erfolgreicher Tennisspieler..
Was mich aber am meisten beeindruckte, waren die zahlreichen Bilderrahmen die an den Wänden hingen, vor allem, weil es meine Bilder waren. Bilder von Geburt aus, bis zum 13 Lebensjahr.
„Wow, wie schön“, kam es aus meinem Mund fasziniert.
„Schön, das es dir gefällt“, antwortete mein Vater lächelnd der urplötzlich sich hinter mir befand. Kurz war Stille, weil ich nicht mit seiner Anwesenheit gerechnet hatte, doch dann gab ich ihm enttäuscht zu erkennen: „Ich werde dir trotzdem nicht verzeihen.“
„Ich weiß, aber ich werde nicht aufgeben. Du bist meine einzige Tochter, mein Engel. Ich weiß das ich dir kein guter Vater sein konnte, aber das wird sich ändern“, erklärte er von sich selbst überzeugt, aber „leider“ scheiterte dies bei mir.
„Das denke ich eher weniger“, antwortete ich kalt und lief wieder hoch in mein Zimmer.
Die beiden Wochen vergingen wie im Flug. Auch muss ich zugeben, dass mein Vater es überraschenderweise schaffte, mir das Gefühl zugeben, dass ich zu der Familie gehörte. Auch seine Frau Julia und Sohn Mike zeigten mir gegenüber Respekt und Liebe. Dennoch wollte ich so bald wie möglich wieder nach Madrid fliegen. Immer hin hatte ich vor Angst, dass Ramon noch wütend auf mich sein könnte, ihn nicht einmal angerufen. Die Schuldgefühle würden nur mein Herz zerreißen. Mit meiner Mutter telefonierte ich auch nicht mehr so oft, da sie mittlerweile nach Portugal umgezogen war und dort sehr viel Arbeit auf sie wartete.
Alles in einem, war es trotzdem sehr amüsant für mich, hier in London, bei meinem Vater zu leben.

An diesem Abend fuhren wir alle zu einem Italiener, der wohl ein Bekannter meines Vaters war, da beide sich sofort um den Hals fielen.
Anschließend zeigte er uns einen Tischen, die wir sofort auch besetzten. Ein runder Tisch aus hellem Holz, zwei Stühle, auf die mein Bruder und mein Vater saßen und ein Zweiersitz aus schwarzem Leder, auf der Julia und ich saßen. Dann überreichte mir mein Vater die Speisekarte, die ich schnell mal überflog und fragte anschließend: „Schatz, was willst du Essen?“ Ich schaute ihn mit einem Lächeln an und antwortete: „Pizza“.
Woraufhin mein Vater und Julia sich gegenseitig verwirrt anschauten, Julia sogar ihre Schulter hoch und runter hob und dann lachend meinte: „Ist eben deine Tochter.“
Ich verstand kein Wort, bis Mike grinste und erklärte: „Da sind wir jetzt zwei, die auf Pizza stehen.“ So sah er auch aus, ein kleiner Fettsack.
„Warum das denn?“, fragte ich ahnungslos, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass es Menschen gab, die nicht auf Pizza standen, doch zu meinem Überraschen antwortete Julia: „Weil dein Papa und ich kein Pizza mögen, Süße.“ Also doch? Wie konnte man nur keine Pizza mögen? War das überhaupt möglich? Aber ich grinste nur breit und schaute meinem Vater dabei zu, wie er gerade der Bedienung unsere Wahl mitteilte.
Nach 10 Minuten kamen auch schon unsere Gerichte. Doch unerwartet tat mein Magen mir so sehr weh, dass ich mein Appetit verlor und bloß zwei Stücke runter bekam. Ohne zu wissen, was mir fehlte, stellte mein Vater mir unendliche Fragen. Das waren wohl die Nachteile davon, dass der Vater ein Chefarzt war. Als wir zu Hause ankamen, lief ich unverzüglich in mein Zimmer und legte mich auf das Bett, denn mein Kopf drehte sich und mir war unglaublich übel. Was war das bloß? Vielleicht eine Lebensmittelvergiftung? Oh nein, bitte nicht.
Das Schwindelgefühl und Übelkeit, wurde gegen 2 Uhr so stark, dass ich sofort ins Badezimmer rannte, um mich zu übergeben. Julia die das mitbekommen hatte, klopfte hastig an der Tür und gleich nach dem ich diese öffnete, nahm sie mich in ihre Arme und fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich nickte leicht und sie begleitete mich daraufhin zurück in mein Zimmer. Meinem Vater erzählten wir nichts von diesem Vorfall, doch Julia bestand darauf, mit mir zum Frauenarzt zu gehen und so bekamen wir auch schon für Donnerstag, also für 2 Tage später, ein Termin.
Als wir beim Frauenarzt saßen, schaute ich Julia ängstlich und traurig zu gleich an, woraufhin sie mir nur Mut machend in die Augen schaute und versprach: „Du brauchst keine Angst zu haben, ich werde bei dir sein.“
Ich nickte ihr dankend zu und fragte: „Was ist, wenn ich wirklich schwanger bin? Was soll ich dann machen?“
Ohne zu zögern antwortete mir die junge Frau meines Vaters: „Du wirst natürlich nach Madrid fliegen und bei dem Vater sein.“
Diese Worte berührten mein Herz. Endlich würde ich zurück nach Madrid fliegen und wieder bei meinem Schatz sein können. Wir würden eine kleine Familie gründen und uns ein Haus in Barcelona kaufen. Alles wäre perfekt. Diese Vorstellung machte mich glücklich und so hoffte ich plötzlich inständig, dass ich tatsächlich schwanger war.
Nach wenigen Minuten wurden wir rein gebeten und Julias Vermutung bestätigte sich. Verdammt, ich war schwanger und unglaublich glücklich. Doch trotzdem flossen mir die Tränen, als ich dieses Ergebnis hörte, denn Ramon war nicht hier bei mir und durch das Telefon wäre es unpersönlich, ihm zu sagen, dass er bald Vater werden würde. Julia dagegen strahlte über das komplette Gesicht, dann legte sie ihre Hand auf meine und flüsterte vergnügt: „Ich werde Oma, danke schön.“ Mit 20 Jahren schwanger.
Nach dem Arztbesuch, schlug Julia noch vor Eis essen zu gehen, um so die tolle Nachricht zu feiern und so machten wir uns auf den Weg zur nächst gelegenen Eisdiele. Wir bestellten und setzten uns nach draußen unter einem Sonnenschirm hin. „Es gibt wirklich nichts schöneres, als zu wissen, das Kind von dem Mann, den man über alles liebt, zu tragen“, erzählte Julia und schaute mich bewundernd an. Meine Augen öffneten sich weit und ich wusste das sie Recht hatte und das obwohl ich die Tochter der Frau war, dessen Ehe wegen ihr gescheitert war. Nach wenigen Augenblicken, legte ich meine Hand, dass erste Mal auf mein Bauch, schloss meine Augen und stellte mir meine eigene kleine Familie vor. Ramon, unser Kind und ich. Hoffentlich würde ich bald wieder zurück kehren können und ihn über die Neuigkeiten informieren. Dann wäre er bestimmt auch nicht mehr sauer, sondern würde mich unverzüglich und liebevoll in seine Arme nehmen. Leider war mir auch klar, dass ich meiner Mutter nichts davon erzählen durfte, da ich aus unserem letzten Telefonat her, erfahren hatte, dass er inzwischen auch in Portugal war und ich mir ziemlich sicher war, dass meine Mutter dies nicht für sich behalten könnte und er über die Neuigkeit, schneller als es mir lieb war Bescheid wüsste. Auch bat ich Julia, es meinem Vater vorerst nicht zu sagen, da ich befürchtete, dass sein bereits schwaches Herz, das nicht ertragen würde.
„Keine Angst, ich werde dein Geheimnis solange hüten, bis du von dir aus, bereit bist, es zu erzählen“, sagte Julia und legte dabei ihre Hand auf meine. Wir genossen unseren Eis zu Ende und machten uns gleich danach auch auf den Heimweg.
Inzwischen war ich schon seit einem Monat hier in England und auch mein Ex Matthew hatte dies erfahren, immer hin war sein Vater der Vorgesetzte meines Vaters. Und so kam es dazu, dass eines Abends seine Eltern und er zu uns kamen. Leider wusste ich dies bis zu diesem Punkt noch nicht.
Die Haustür klingelte und ich öffnete sie. Als erstes sah ich seine Eltern, die ich bis zu diesem Zeitpunkt auch nicht kannte und dann betrat er, mein Ex, die Villa. Nach so einer langen Zeit trafen sich unsere Blicke und plötzlich erinnerte ich mich an die Zeit mit ihm zurück. Immerhin waren wir über 2 Jahre lang zusammen gewesen und nur weil ich nicht mit ihm geschlafen hatte, hatte er sich von mir über MSN getrennt. Kaum zu glauben, damals war wirklich mein größter Wunsch gewesen, mein erstes Mal mit meinem Ehemann zu haben, doch genau das Gegenteil passierte und jetzt war ich sogar schwanger. Er schaute mich überrascht, doch gleichzeitig amüsiert an, dann lächelte er und sagte: „Herzlichen Willkommen in England, Charline.“ Mit einer kalten Mimik bedankte ich mich und machte die Tür hinter ihm wieder zu.
Dann liefen wir zusammen ins Wohnzimmer und während mein Vater mit seinem Chef, Mr. Rain sprach, deckten Julia und ich den Tisch. Dabei bekam ich ununterbrochen mit, wie seine Blicke mich trafen.
Nach dem Essen, brachte ich das Kaffee und den Kuchen. Während alle anderen appetitlich das Gebrachte aßen, wollte Matthew unbedingt mit mir reden und so liefen wir in mein Zimmer. Er setzte sich auf mein Drehstuhl und nach langem zögern fingen wir, nach fast 2 Jahren, wieder an mit einander zu reden.
„Ich hab dir damals so viel Schmerz verursacht und das tut mir unendlich Leid“, verriet er schuldbewusst.

„Das fällt dir aber früh ein“.
„Charline, ich kann dich nicht vergessen. Du bist das Beste was mir je passiert ist“, gestand er plötzlich und schaute mir dabei tief in die Augen.
„Du hast es zerstört, nicht ich“, erklärte ich kalt und drehte mein Kopf um. Jedoch lief er auf mich zu, hielt mein Gesicht mit seinen beiden Händen fest und flüsterte: „Ich weiß und ich würde alles dafür tun, um alles wieder gut zu machen.“
*Boom Boom* Moment mal, warum klopfte mein Herz gerade so schnell? Und warum ließ ich es zu, dass er mir so nah war? Diese wunderschönen blauen Augen und diese hellen, mittellangen Haare, raubten mir den Verstand und kurz vergaß ich sogar, dass ich schwanger war.
2 Jahre, nach der Trennung waren auf keinen Fall wenig, immerhin hatten sie dafür ausgereicht, ihn zu vergessen und mich neu, in den Vater meines Kindes zu verlieben. Aber warum wollte mein Herz nicht hören, warum kamen die Gefühle plötzlich wieder hoch? Er streichelte sanft meine Haare und erzählte: „Schon komisch, du hast mir nie von deinem Vater erzählt und jetzt erfahre ich, dass er kein geringer als der Oberarzt ist.“
„So etwas nennt man Pech“.
Er lachte, vergrub sein Gesicht in meinen Haaren und zog mein Parfüm ein. „Du riechst immer so schön nach Blumen“, bemerkte er lächelnd und zog mich schließlich auf mein Bett.
Ich legte mich hin und er sich leicht auf mich.
„Du bist mein Sonnenschein und um dich zu bekommen, würde ich alles tun.“
- STOOOOOOOOOP! Charline du bist vergeben, vergiss das nicht! – , klang meine innere Stimme verzweifelt und so schob ich ihn zur Seite, stand auf, schüttelte mein Kopf und erwiderte: „Das ist mir egal, ich habe in Madrid einen Freund und ich werde ihn bestimmt nicht betrügen!“
Er lachte bloß, nickte und gab mir ein Kuss auf die Wange. Dann liefen wir wieder rein ins Wohnzimmer und nach einer halben Stunde verabschiedeten sie sich auch endlich.
„Charline, kanntest du schon Matthew?“, fragte mein Vater überrascht.
Ich nickte leicht und gab zu erkennen, dass ich nicht über ihn reden wollte. Zur meinem Glück akzeptierte er dies und fragte auch nicht weiter nach.
Ohne das ich es mir erklären konnte, traf ich mich trotzdem immer wieder mit Matthew und er wurde mir auch wieder wichtig. Dank ihm, vergaß ich sogar langsam Ramon. Alles schien wieder beim alten zu sein. Es war ein komplett anderes Gefühl, als in Madrid und trotzdem genoss ich es.
An einem Tag, waren wir zusammen etwas Essen und gerade als wir uns küssen wollten, bekam ich unerträgliche Schmerzen und wurde sogar ohnmächtig. Solche Schmerzen, hatte ich ungelogen noch nie gehabt.
Als ich wieder meine Augen öffnete lag ich in dem Krankenhaus, wo mein Vater arbeitete. Mein Vater stand neben mir, ging mit seinen Händen vorsichtig durch meine Haare und fragte leise: „Geht es dir wieder besser, Engelchen?“ Ich nickte leicht und drehte mein Kopf um.
Das einzige woran ich mich noch erinnerte war, dass ich kurz davor war Matthew zu küssen und das obwohl ich schwanger von Ramon war. Verdammt, was war bloß mit mir los? Wie konnte ich meinen Schatz betrügen?
„Du bist Schwanger?“, fragte mein Vater folglich mit Tränen gefüllten Augen. Wieder nickte ich und bekam nur ein: „Es tut mir Leid“, raus.
Er seufzte traurig und unerwartet stand Matthew neben mir, hielt meine Hand fest und sagte zu meinem Vater: „Ich werde auf sie aufpassen“, und mit diesem Satz, verließ mein Vater auch das Zimmer und so bleib ich mit Matthew alleine zurück.
„Du liebst ihn sehr oder?“
„Ja..“, antwortete ich mit Tränen.
Er wusch sie mir weg und erzählte: „Er hat so viel Glück, dass er dich bekommen hat. Ich beneide ihn und als werdender Arzt schwöre ich dir, gut auf dich auf zu passen, damit es SEINEM Baby gut geht.“
Seine Hände hielten meine fest und ich spürte, das etwas nicht stimmte. Doch genau so gut wusste ich, dass er es mir nicht sagen würde. Wenige Momente später, betrat auch Julia das Zimmer und schickte ihn zu meinem Vater. Dann setzte sie sich leicht auf das Bett, hielt meine Hände fest und schaute mit deprimiert an.
„Julia, weißt du, was hier los ist?“
Sie schüttelte ihren Kopf und ich konnte davon ausgehen, dass sie die Wahrheit sagte. Paar Tage musste ich noch im Krankenhaus bleiben und einige Untersuchungen über mich ergehen lassen, bis ich endlich wieder nach Hause durfte.
Nach diesem Vorfall, waren zwei Wochen vergangen und mein Vater bekam jedes mal Tränen in den Augen, wenn er mich sah. Irgendwann reichte es mir und als ich ihn alleine in der Küche erwischte, schrie ich vor Wut außer mich: „Was ist mit dir los, Daddy? Sag es mir!“
Er schaute mir verletzt in die Augen, dann nickte er und zog zwei Stühle zurück.
„Ich will wissen, warum du immer leidest, wenn du mich siehst.“
„Mein Engel, es fällt mir so schwer es dir zu sagen, aber ich muss es früher oder später tun.“
„2 Wochen sind genug, Daddy. Ich will es endlich wissen!“
Seine Hände legte er auf meine, schaute mir mit nassen Augen in meine und verriet: „Es ist ein bösartiger Hirntumor.“
Als ich das hörte, stockte mein Atem und ich fing an zu zittern. Gerade jetzt, wo ich mich an mein Baby gewohnt hatte, erfuhr ich so etwas? Warum mein lieber Gott? Wieso kann ich nicht einmal glücklich sein?
Mein Vater nahm mich so fest er konnte in seine Arme und gab mir ein Kuss auf den Kopf.
„Sag mir nur eins. Wie lange..?“, dann legte er sein Finger auf meine Lippen und antwortete: „Sei leise Charline, rede nicht darüber. Ich will dir nicht antworten.“
„So wenig?“ fragte ich schockiert.
Er schüttelte sein Kopf und antwortete letztendlich: „1 – 3 Jahre.“
„Papa, ich will nicht das du leidest, hör auf. Du tust mir so nur weh. Ich lebe ja noch und ich werde kämpfen. Wenigstens für mein Baby“, teilte ich ihm mit einem traurigen Lächeln mit.
Er gab mir wieder ein Kuss und fragte: „Wirst du es deiner Mutter sagen?“
Sofort schüttelte ich mein Kopf und antwortete: „Nein. Es reicht, dass du schon vor meinen Augen leidest. Das muss kein anderer erfahren, außer du und Matthew. Ich will die Menschen in meiner Umgebung glücklich sehen...“
„Mein starkes Mädchen“, sagte er und hielt mich immer noch fest in seinen Armen. Langsam löste ich mich von ihm und lief in mein Zimmer. Jetzt kullerten wirklich Tränen meine Wangen entlang. Ich würde bald sterben und dieser Gedanke raubte mir meine Lebensfreude. Ich würde nicht sehen können, wie mein Engel groß werden würde. Aber wenigstens neun Monate, musste ich stark bleiben, damit ich meinem Baby, das Leben schenken konnte.
„Gott, wenn es dich gibt, bitte schenk mir dann wenigstens so viel Zeit, dass ich mein Engel auf die Welt bringen kann“, flehte ich verzweifelt Gott an. Aber das was mich am meisten traf war, dass, auch wenn ich dagegen kämpfen würde, die Wahrscheinlichkeit zu sterben groß war und deswegen war mir klar, dass ich Ramon gegenüber stark bleiben musste und er mich vergessen sollte. Er sollte mich hassen und vergessen, denn ansonsten würde er sicher nie heiraten und glücklich werden können. Ihm zu Liebe, durfte ich nicht einmal erwähnen, dass er Vater werden würde, denn ihn leiden zu sehen, wäre schlimmer als der Tod...
Seit diesem Tag an, ging die Zeit für mich unglaublich schnell um, weil Matthew bei mir war und sein Bestes gab, um mich trotzdem glücklich zu stimmen. Er war mein bester Freund geworden und das obwohl er mein Ex war. Ja, Freundschaft mit dem Ex war eben doch möglich. Die Zeit mit ihm verbrachte ich nur mit Lachen, aber in seinen Augen erkannte ich dennoch, dass er traurig war und große Angst hatte, vor allem, weil ich mich gegen eine Therapie entschieden hatte. Ich konnte einfach mein Baby nicht gefährden. Auch vermied ich langsam den Kontakt zu der außen Welt, vor allem zu meiner Mutter und Noelle. Denn so gut wie sie mich kannten, würden sie sofort sehen, das etwas nicht stimmte.

Was mein Herz jedoch trotzdem Tag zu Tag immer mehr verletzte, war, die Einsicht das es kein „wir“ mehr mit Ramon geben würde. Um diesen Schmerz leichter überwinden zu können, hatte ich es sogar geschafft, dass Matthew sich bereit stellte die Vaterrolle zu übernehmen, auch wenn er dagegen war und seiner Meinung nach, dies sogar ein großer und unverzeihlicher Fehler Ramon gegenüber wäre. Aber dennoch hielt er zu mir und willigte ein. Übrigens zog ich von zu Hause aus, weil ich einfach nur noch alleine sein wollte. Außerdem nervte mich die ständige Kontrolle beim Hospital gewaltig und deswegen schlug mein Vater vor, dass ich in das Queen Elizabeth Hotel einziehen sollte, da dieses Hotel zu unserem Hospital gehörte und ich nicht ständig zwischen der Villa und Hotel um pendeln musste. Alles schien nun metallisch abzulaufen, ich spürte keine wahrhaftige Freude mehr und fühlte mich nur noch dazu gezwungen, zu leben und stark zu bleiben, um meinem Baby das Leben zu schenken.
Als mein Vater mich ausgerechnet nach 3 Monaten, nach meiner Ankunft anrief und mir mitteilte das Ramon gekommen war, zerbrach einerseits die Welt, die ich trotz allem versuchte, so gut wie möglich, trotz das mir durch ihn die Luft zum Atmen fehlte, aus zu schmücken. Ramon würde nie wieder mir gehören und nie erfahren, dass er der Vater meines Kindes werden würde. Verdammt, als er auch noch so vor mir stand, litt mein Herz ungeheuerlich, vor allem, als er mir Befahl meine Tasche zu packen und mit ihm zurück zu fliegen. Gott ist Zeuge, dass ich ihn mehr als mein eigenes Leben liebte und alles nur für ihn tat. Aber trotzdem überraschte es mich, das ich trotz dieser Sehnsucht und dieser Liebe, ihn anlügen und innerlich verletzen konnte.

29.12.12 00:36
 
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